„HIPSY ist ein großer Mosaikstein in meinem Leben"

Gabi Martin ist gelernte Physiotherapeutin, kann ihren Beruf aber seit längerer Zeit nicht mehr ausüben. Sie nimmt regelmäßig an Freizeitaktivitäten von HIPSY teil und berichtet darüber im folgenden Interview.

Wie bist Du zu HIPSY gekommen?

1997 kam HIPSY auf Haus 13, auf die Soziotherapie. Es gab Knabbereien und Süßigkeiten, einmal die Woche, immer mittwochs. Damals hatte ich gerade meine erste Psychose gehabt. Da bin ich dann erst auf die geschlossene Abteilung gekommen, dann auf Haus 13. Ich hatte Depressionen, ich war unglücklich über die Berentung wegen meiner schlechten Augen. Ich bin fast blind. Ich bin deshalb, wie gesagt, berentet und lebe von Grundsicherung, was früher Sozialhilfe hieß.

Gabi Martin

Wie liefen diese wöchentlichen Kaffeerunden denn ab?

Kaffee gibt es da nicht, wegen der Medikamente, die die meisten Patienten nehmen müssen. Man hat über Krankheit gesprochen, über Medikation, und was man so erlebt hat generell. Es war nicht schwer, miteinander ins Gespräch zu kommen. Es waren immer etwa sechs Patienten da, und zwei bis drei Leute von HIPSY.

Und wie war es dann später, als Du wieder draußen warst?

Ich war damals vier Monate in der Klinik gewesen. Als ich dann da herausgekommen bin, bin ich immer extra nach Haar gefahren, um bei dem Mittwochstreff von HIPSY dabeizusein. Zum Stammtisch am Donnerstag bin ich auch jahrelang immer gegangen. Außerdem mache ich immer wieder mal Kurzreisen und Besichtigungen mit. Zum Beispiel an den Frauensee in Tirol, das war ein Wochenende, oder Städtereisen, z. B. Berlin. Es gab Führungen durchs Rathaus, durch die Oper und noch einiges andere, das nannte sich „Blick hinter die Kulissen".

Würdest Du Dir mehr oder andere Angebote von HIPSY wünschen?

Das ist eigentlich gut abgedeckt. Ich könnte nicht sagen, was da noch besser werden soll.

Was ist für Dich das Besondere an HIPSY?

Das ist ein familiärer Kreis, man wird dort aufgenommen. Wichtig ist, dass immer wieder dieselben Menschen kommen; das liebe ich sehr, das kommt mir vertraut vor. Wenn ich HIPSY nicht hätte, hätte ich einiges nicht. Ich kann da wirklich ein Loblied anstimmen. Ich habe mich etabliert in meinem Leben, und HIPSY ist ein Mosaikstein darin, ein großer sogar.

Zum Abschluss noch die Frage: Hast Du Wünsche an die Klinik?

Ich bin mit Haar nicht zufrieden. In Haus 13 hat man z. B. bloß alle 14 Tage ein Gespräch mit dem Arzt von einer halben Stunde gehabt. Die Pfleger haben sich in ihr Büro zurückgezogen, sind nur selten gekommen aus ihrem Adlernest. Die sind nur vorbeigegangen, haben sich wenig gekümmert um einen. Das war sehr negativ. Haar ist so eine richtige Fabrik.
1999, in Haus 2, der Privatstation, war es deutlich besser, da wird sich sehr viel gekümmert, es werden viele Therapien angeboten, man kann mit den Schwestern reden, wenn man was auf dem Herzen hat; da sind Psychiatrieschwestern, sehr gut geschult. So gut war ich noch nie aufgehoben. Prof. Bender [der ärztliche Direktor von Haar] hat freitags eine Gruppe mit uns gemacht.
Inzwischen mache ich eine ambulante Einzeltherapie bei Dr. D., im Lehel.