Die ersten Jahre

Der Verein wurde am 9. Oktober 1974 von einer Gruppe von Laienhelfern gegründet. Er entstand aus einem Arbeitskreis der Humanistischen Union, welcher infolge einer Infoveranstaltung mit dem Thema Psychiatrie ins Leben gerufen worden war. Den Laienhelfern gehörten zu Anfang  Studenten der Soziologie und Sozialpädagogik an, deren Interesse den Abläufen in der Psychiatrie und einer Umgestaltung derselben gehörte. Im Vordergrund der Diskussionen und der ehrenamtlichen Arbeit stand der rein menschliche Aspekt, weniger noch die professionelle Gesinnung. Man wollte der damals totalen Institution zu einem Umbruch verhelfen, die bislang sehr strikten Abläufe auflockern und vermenschlichen und die Tore zwischen Gesellschaft und psychiatrischer Klinik öffnen. Betroffene Personen sollten das Recht auf einen Platz in der Gesellschaft haben. Hilfe für psychisch Kranke e. V. begann, sich im Bezirkskrankenhaus Haar in Form von Besuchsdiensten zu engagieren. Es wurden Gruppen gegründet, in denen gekocht, Musik oder Theater gespielt wurde und die später von den professionellen Angestellten in Haar als Therapieangebote weitergeführt wurden. Es gab Angebote für Freizeitgestaltung, und Einzelkontakte zwischen den ehrenamtlichen Helfern und Betroffenen konnten entstehen.

Entwicklung der WGs

Damals gab es erst wenig Wohnangebote für psychisch Kranke. Aus der Klinik entlassene Patienten standen vor dem Problem, plötzlich auf sich allein gestellt zu sein und keine Wohnmöglichkeit zu haben. Aus der Idee, die aus der Klinik entlassenen Menschen aufzufangen und den Kreislauf zwischen Entlassung und Klinikaufenthalt zu unterbrechen, entstanden die ersten Wohngemeinschaften. 1981 gründete auch hipsy e. V. unter Orientierung am Konzept der therapeutischen Gemeinschaft die erste Wohngemeinschaft für psychisch kranke Menschen im Schlachthofviertel. Die WG bot Platz für fünf Personen und wurde von vier ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut, von denen drei einen professionellen Hintergrund hatten. 1986 wurden zwei weitere Wohngemeinschaften beim Bezirk beantragt und einige Jahre später eröffnet. In der WG 2 wurden erstmals professionelle Mitarbeiter als fest Angestellte eingesetzt. Auch in der WG 1 wurde nachträglich auf festangestellte Betreuung umgestellt. WG 3 sollte für eher chronifizierte Langzeitklienten eine Heimat bieten.

Die vierte WG wurde aus dem Gedanken an im Laufe der Zeit therapiemüde gewordene Klienten gegründet. Die Hilfe für diese Bewohner betrifft daher vor allem die Unterstützung in lebenspraktischen Dingen. In Neuperlach wurde die fünfte Wohngemeinschaft gegründet. Sie bietet Platz für psychisch kranke Menschen, die es nicht alleine schaffen, den Tag zu strukturieren. Die Betreuung findet in einem Halbtagesprogramm statt, mit dem die Klienten durch gemeinsamen Tagesbeginn und Gruppenangebote in den Tag hinein getragen werden. Noch vor der sechsten Wohngemeinschaft entstand das Betreute Einzelwohnen (BEW), als eine Klientin aus einer WG ausziehen aber weiterhin betreut werden wollte. Es wurden sechs Plätze für das BEW genehmigt, später (1999) wurde auf 20 Plätze aufgestockt. Die WG 6 war ursprünglich ein BEW mit Wohnangebot. Das Gruppengeschehen, also die Ereignisse und Dynamik zwischen den Bewohnern, machte aber eine WG-Betreuung mit günstigerem Betreuungsschlüssel und Gesprächsgruppe nötig.

Die WG 7 wurde im Mai 2003 gegründet. Bei ihr handelte es sich anfangs um ein zeitlich begrenztes Modellprojekt, welches auf Anfrage des Vereins Hilfe für das autistische Kind ins Leben gerufen wurde; inzwischen wird sie dauerhaft finanziert. Die Intention war, Asperger-Autisten, die mit einer beruflichen Reha-Maßnahme bei MAUT fertig werden, unterzubringen bzw. ein Leben außerhalb der Ursprungsfamilie anzubieten. Es gibt in dieser WG sieben Plätze für psychisch Kranke und drei für Asperger-Autisten. Die Kombination mit psychisch Kranken entstand, da oft auch hier ähnliche Problemlagen bestehen, so z. B. die Schwierigkeit, gut in den Tag zu starten, scheinbar banale Alltagsprobleme zu bewältigen und im sozialen Umgang zu „funktionieren“.

Ehrenamtliche Aktivitäten

Neben der Entwicklung im professionellen Bereich gab und gibt es immer Gruppenangebote von Laienhelfern in drei bis vier Soziotherapiehäusern und vier Langzeitstationen in Haar. Durch die Umstrukturierung des Bezirkskrankenhauses Haar ging die Entwicklung des ehrenamtliches Engagements in ein offenes Angebot über, das zuerst in der Tagklinik Ost stattfand und heute jeden Mittwoch im Haus 51, in den Räumen der Tagesstätte des SPZ zur Verfügung steht. Die Gruppe der Laienhelfer, die anfangs eine große Zahl von Studenten aus sozialen Studiengängen beherbergte, bestand im Laufe der Jahre immer mehr aus Hausfrauen oder Rentnern, die ihre Zeit in helfender Weise nutzen wollen. Die Studenten verabschiedeten sich immer wieder nach einer gewissen Zeit, nachdem ihr professioneller Anspruch durch das Studium gestiegen war.

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Die ehrenamtliche Arbeit

Die professionelle Arbeit

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